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Flüchtlingslager II.

Autor: JonasBecker | Datum: 12 Mai 2014, 11:21 | 0 Kommentare

Nachdem die Indigenen am 2.Mai in ihr Heimatdorf zurückgekehrt sind, möchte ich euch im folgenden Blogeintrag ein bisschen über die Situation im Flüchtlingslager und einige meiner Erfahrungen berichten. Insgesamt waren die Flüchtlinge etwa einen Monat lang auf dem Grundstück des Gästehauses.

Außerdem habe ich weitere Bilder in meinem Fotoalbum hochgeladen.

Im letzten Blogeintrag habe ich von den provisorischen Zuständen im Flüchtlingslager berichtet, die sich nach und nach ein bisschen verbessert haben: Die provisorischen Dächer bestehend aus Plastikplanen, wurden verstärkt durch Holzpfähle. Aus Bambushölzern wurden Holzbetten und Gestelle gebaut, um einen besseren Schutz vor den teilweise sehr starken Regenfällen zu bieten.

Essen wurde von den Indigenen selbst gekocht. Beim Verteilen des Essens habe ich öfter mal geholfen. Meine Aufgabe war dabei, den Reis an die Leute zu verteilen, was bei mehr als 900 Leuten zu einer schweißtreibenden Arbeit wurde. Interessant war dabei, dass pro Familie immer nur eine Person zum Essenholen geschickt wurde und ich so immer die jeweiligen Familiengrößen mitbekommen habe: Die Geburtenrate pro Frau ist hoch, fünf Kinder pro Familie sind keine Seltenheit. Von den 988 Flüchtlingen waren mehr als 500 Kinder. Leider habe ich kein richtiges Alter für die Kindergrenze herausfinden können, ich  schätze aber mal bis 14.

Eine medizinische Versorgung konnte den ganzen Monat lang gewährleistet werden. Ich war oft bei der medizinischen Versorgungsstation dabei. Geleitet wurde diese von ausgebildeten Katastrophenhelfern und erfahrenen Krankenpflegerinnen, die von weiteren Freiwilligen, teilweise auch von meiner Wenigkeit und auch den Indigenen selbst unterstützt wurden.  Da nur eine medizinische Grundversorgung möglich war, wurden alle lebensgefährlichen Fälle in ein staatliches Krankenhaus weitergegeben. Ich habe ganz verschiedene Krankheiten und Behandlungsarten mitbekommen. Hohes Fieber war eine der häufigsten Krankheitsfälle. Vor allem ist dies bei den Kindern aufgetreten.

Um die Mittagszeit kam eine Mutter mit ihrem zweijährigen Baby zum Checkup vorbei. Ich hab das Fieber gemessen und es lag bei knapp unter 40°. Als ich das an die verantwortliche Krankenschwester weitergegeben habe, war die Mutter mit ihrem Kind aber schon wieder im Lager verschwunden und ich hab mich auf die Suche nach ihr und ihrem Baby begeben…

 

 Viele der Stammesälteren wissen ihr Alter nicht, da der Geburtstag und das genaue Alter früher nicht protokolliert wurden. Alle jüngeren Manobos kennen ihr Alter aber, da seit dem Bau der Grundschule Alter und Geburtsdatum notiert wird.

Auch haben viel der Stammesälteren Probleme mit der Sprache Bisaya, dem auf Mindanao überwiegend gesprochenen Dialekt. Einige der Stammesälteren sind fließend in Bisaya, andere sprechen so viel wie ich und wieder andere haben kaum Sprachkenntnisse. Die meisten Schulkinder können fließend Bisaya sprechen. Kaum jemand des Stammes spricht aber Tagalog, die Nationalsprache des Landes.

Mit der Verständigung hat es aber trotzdem gut geklappt. Meine Sprachkenntnisse in Bisaya sind reichen aus, um einfache Gespräche zu führen. Oft habe ich mich mit verschiedenen Manobos unterhalten, wobei sich fast jedes Mal nach und nach ein Kreis mit mehr und mehr interessierten Zuhörern gebildet hat, von denen aber nicht alle, alles verstanden haben. Deswegen hat immer jemand auf Manobo übersetzt, wenn ich meinen Satz beendet hatte.

Auch habe ich aus einigen Gesprächsrunden eine kleine Englischlernstunde gemacht. Beim ersten Mal, als ich ein paar Gleichaltrigen ein paar Wörter beigebracht habe, haben diese reagiert, als hätte ich ein Geheimnis entlüftet. Auch ein Stammesälterer hat zugehört und hat den Jüngeren gesagt, sie sollen die Englischen Wörter doch bitte aufschreiben.

Oft habe ich auf Nachfragen versucht zu erklären, dass Deutschland nicht in der Nähe von Manila und nicht in Amerika liegt. Große Freude breitete sich bei auch etwa 20 jährigen Stammesmitgliedern aus, als ich die Frage, ob es denn gesetzlich verboten wäre, dass eine Deutsche ein Stammesmitglied der Manobo heirate, verneinte.

Auch Spiele mit den Kindern, von denen ich im letzten Rundbrief ja schon berichtet habe, wurden weiterhin organisiert. Den Jugendlichen/ Erwachsenen war aber oft langweilig, weil es keine Arbeit gab. Verschiedene Protestaktionen, Pressekonferenzen und Ähnliches für eine Verbesserung der Situation wurden organisiert.

Von der letzten Protestaktion, bzw. dem entscheidenden Dialog, werde ich euch im nächsten Blogeintrag mehr berichten.

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