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„Pisot ko“

Autor: JonasBecker | Datum: 14 Mai 2014, 12:33 | 0 Kommentare

 „Ich bin nicht beschnitten“. Wenn dieser Satz hier auf den Philippinen von einem 20 Jährigen, wie von mir, gesprochen wird, löst es immer großes Gelächter aus:
Die Beschneidung von Jungen, die bei uns in Deutschland eher religiösen Kreisen der Juden und Moslems bekannt ist, ist auf den Philippinen üblich und quasi Pflicht.
Die Tradition ist der entscheidende Antrieb dafür, dass die meist etwa acht- bis zehnjährigen Jungen beschnitten werden. In meinem Alter trifft man nahezu niemanden, der noch unbeschnitten ist und wenn doch, dann wäre es demjenigen zu peinlich, öffentlich dazu zu stehen.

Peinlich wäre es ihm, weil hier auf den Philippinen nicht beschnitten sein als unhygienisch gesehen wird. Wenn ich erzähle, dass in Deutschland nur etwa zehn Prozent der Männer beschnitten seien, stößt dies auf verblüffte Gesichter. Außerdem werde ich gefragt, wieso das denn so sei und ob wir Deutschen denn wirklich so unhygienisch seien. Wenn ich dann auch noch erzähle, dass auch ich persönlich nicht beschnitten bin, was sich mittlerweile schon rumgesprochen hat, sorgt dies immer für  Gelächter und wird auch oft mit „iieh“ kommentiert. Ich werde dann manchmal gefragt: „Du bist wirklich noch nicht beschnitten?“ Außerdem haben schon verschiedene Leute mehr oder weniger Ernst probiert, mich zur Beschneidung zu überreden. Von einigen Freunden wurde mir eine Party versprochen, wenn ich mich denn beschneiden lassen würde. Manchmal kommen Kommentare wie, dass sogar die Ladyboys beschnitten seien.

Es gibt zahlreiche kostenlose Beschneidungen, die zum Beispiel von verschiedenen Kirchen oder den lokalen Ämtern organisiert werden. So hat zum Beispiel eine UCCP – Kirche letztens eine kostenlose Beschneidung angeboten. Dabei hat eine Freundin von mir, ausgebildete Krankenschwester, als Freiwillige ausgeholfen. Beschnitten wird meist unter örtlicher Betäubung. Auch die anschließenden Medikamente und ein Check-up sind kostenfrei.

Nach der Beschneidungsaktion hat sie zahlreiche Fotos auf Facebook davon hochgeladen auf denen die Gesichter zwar nicht deutlich erkennbar waren, aber in Deutschland hätte man sich bestimmt drüber aufgeregt… Viele Filipinos  sind übrigens total verrückt darauf, viele Bilder auf Facebook hochzuladen, so gut wie alles wird hochgeladen.

 Warum ich diesen Blogeintrag jetzt gerade schreibe ist, weil ich eben auf der Straße von einem Kumpel  auf die heute stattfindende kostenlose Beschneidungsaktion angesprochen wurde. Mein Kumpel ist lokaler Politiker auf unterster Ebene und macht sich ständig lustig darüber, dass ich nicht beschnitten bin. Meistens in seiner kleinen „Eatery“, in der ich oft esse. Naja, zurück zur Beschneidungsaktion: Das Ganze hat stattgefunden in einer Barangay Hall, vergleichbar mit einem kleinen Bürgeramt(oder sowas ähnlichem).  Der lokale Politiker, mein Kumpel, hat mich mehr oder weniger gewaltsam an der Schlange der wartenden Jungs vorbei, in den Raum gebracht, der zu einem „Beschneidungssaal“ umfunktioniert wurde. Dort lagen auf zwei Tischen Jungs, die beschnitten wurden. Mehrere Leute, zum Beispiel auch ich, waren in dem Raum – Privatsphäre wird anders wahrgenommen, als es vermutlich bei uns in Deutschland wäre.

Später an dem Tag habe ich mich noch mit ein paar dageblieben Indigenen Jugendlichen über das Thema unterhalten. Einer von Ihnen hat mir erzählt, wie er beschnitten wurde: Von seinem Onkel mit einem Messer, sodass die Vorhaut „mit Schwung“ abgetrennt wurde. Das  Ganze soll ohne Betäubung geschehen sein und der 15-Jährige hat mir erklärt, dass es nicht geschmerzt haben soll…

Weltweit sollen übrigens 20% bis 40% aller Männer beschnitten seien. Aus medizinischer Sicht soll die Beschneidung viele Vorteile haben: Sie senke zum Beispiel das Risiko, sich mit HIV anzustecken.

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